MENSCH WERDE WESENTLICH

Zazen

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Zazen

Die Geschichte des Zen

Klosterküche

Wie Seide und wie Stahl

Im Zen nennen wir das Sitzen in Stille Zazen.
Es ist nichts Abgehobenes, nichts Besonderes im üblichen Sinn.

Wir setzen uns.
Und richten uns auf.

Nicht gegen etwas.
Nicht, um besser zu werden.
Sondern um ganz da zu sein.

Es gibt nichts zu erreichen,
nichts zu verbessern,
und nichts festzuhalten.

Und doch ist dieses Sitzen nicht beliebig.

Es ist wach.
Klar.
Gegenwärtig.

Mitten im eigenen Leben.
Mitten im eigenen Drama.

Wie ein weiter Raum,
in dem alles erscheinen darf
und wieder vergeht.

Und in dem wir uns nicht verlieren müssen.

Der Körper sitzt.
Er richtet sich auf.

Das ist nicht einfach.
Und oft auch nicht bequem.

Der Rücken wird gerade.
Die Wirbelsäule trägt sich.
Die Haltung sammelt sich.

Das kann anstrengend sein.
Und genau darin übst du.

Du lernst, dich aufzurichten
und zugleich nicht zu verkrampfen.

Du spürst die Spannung
und beginnst, in ihr loszulassen.

Nicht indem du nachgibst,
sondern indem du dich darin entspannst.

So entsteht nach und nach eine Haltung,
die zugleich fest und durchlässig ist.

Manchmal wird diese Haltung beschrieben
wie reine Seide und zugleich wie scharfer Stahl.

Beides gehört zusammen.

Das Weiche gibt nach,
ohne zu zerfallen.

Das Feste trägt,
ohne hart zu werden.

Es ist ein langer Prozess.

Wie Seide,
die erst durch viele Schritte
ihre Feinheit gewinnt.

Und wie Stahl,
der nur im Glühen geschmiedet werden kann.

Gerade dort, wo es schwierig wird,
wo Widerstand auftaucht,
geschieht die Übung.

Suzuki 3

Der Atem geschieht von selbst.

Du brauchst ihn nicht zu steuern.

Er kommt
und geht.

Du bleibst einfach dabei.

Gedanken, Gefühle und Empfindungen tauchen auf
und vergehen wieder.

Du sitzt mitten darin.

Mit der Zeit zeigt sich ein Geist,
der nicht unterscheidet.

Der nicht sofort bewertet,
nicht festhält,
nicht abwehrt.

In diesem Gewahrsein klärt sich der Blick.

Du bist ganz da.
Ohne Abstand.
Ohne Ausweichen.

Zazen endet nicht, wenn wir vom Kissen aufstehen.

Diese Haltung trägt sich weiter
durch den ganzen Tag.

Im Gehen.
Im Arbeiten.
Im Sprechen.

Und gerade dort zeigt sich die Übung.

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Die Stille

Ist der Ort der Stille gefunden

IST DER ORT DER STILLE gefunden, lass Dich dort nieder und richte Dich auf. Versenke Dich in die offene Weite und denke das Nichtdenken. Halte den Rücken gerade, die Schultern fallen nach unten. Richte das lodernde Erleben auf, wiege den Atem. Lasse Geist und Körper abfallen. Keine übertriebene selbstbezogene Beschäftigung, bloß schweigendes Dasitzen ohne Wertung und mit heiterer Beobachtung des Gegebenen, fernab begrifflichen Einholens.

Der Geist

Gedanken kommen und gehen

Immer wenn ein Gedanke auftaucht, sei dir seiner bewusst; sowie er dir bewusst ist, wird er verschwinden. Wenn du für einen längeren Zeitraum achtlos gegenüber Objekten bleibst, wirst du auf natürliche Weise vereinheitlicht. Das ist die essentielle Kunst des Sitzens in Versenkung. Sitzen in Versenkung ist das Wahrheitstor zu grosser Ruhe und Freude.

Die Versenkung

Näher als die eigene Halsschlagader

Sich selbst näher zu sein als die eigene Halsschlagader, bedeutet, sich in selbst entlarvender Versenkung völlig zu vergessen, um nüchterne Einsicht in das Gegebene zu erleben – unnachgiebig aufrichtig und schonungslos anerkennend. Übe entschlossen und in unbeirrbarer Geduld, sodann enthüllt sich die reine Anwesenheit des rang- und namenlosen Menschen, welcher der Sitzende fürwahr ist.

Klarheit

Das einfache, strahlende Selbst wird geschärft und gereinigt, bis es ohne jeden Makel ist. Laß alles Klassifizieren sich auflösen und fege es fort. Wenn Du aus Dir heraus verstehst und einfach leuchtest, dann kann sich der Duft der heiteren Gelassenheit verbreiten.

Hongzhi Zhengjue

Diese Übung geschieht nicht im Abstrakten.
Sie ist eingebettet in einen Ort, der sie trägt.