BOGENSCHIESSEN
Der Bogenweg
Was ist Intuitives Bogenschießen?
BOGENSCHIESSEN
Was ist Intuitives Bogenschießen?
Der Bogenweg, oder auch Zen-Bogenschießen, wie wir es in der Altbäckersmühle üben ist eine besondere Form des intuitiven oder meditativen Bogenschießen. Der Bogenweg entstand anknüpfend an die in chinesischen und japanischen Klöstern geübte Praxis des Zen im Sitzen und Gehen sowie Zen in der Bewegung.
Die Übung mit dem Bogen, wie wir sie in der Altbäckersmühle praktizieren, ist inspiriert durch die klaren Formen im Zen in Verbindung mit dem Klassischen Indischen Bogenschießen. Wir üben ausschließlich mit Reiter- oder Langbögen ohne technische Hilfsmittel.
Korrektes und zielsicheres Schießen, wie es üblicherweise mit dem Bogenschießen in Verbindung gebracht wird, ist etwas völlig anderes als ein Schuss, der in Frieden und wachem Bewusstsein abgegeben wird – dann werden Bogen, Schütz*in und Ziel zu dieser einen Wirklichkeit.
Diese Wirklichkeit ist das gelebte Jetzt, frei von Anhaftungen, ohne Trübung des Geistes. Im Jetzt des Augenblicks, in der Einheit von Körper und Geist, betreten wir in jedem Moment, mit jedem Schuss das Tor zum Leben in seiner ganzen Schönheit und Kraft.
Schuss
»Jeder Schuß, ein Schuß! Wo sind da Fehlschüsse?«
— KyuSei
Doch was bedeutet es, einen Bogen nicht nur zu spannen, sondern wirklich zu schie\u00dfen? Im Zen-Bogenschie\u00dfen ist der Schuss kein technischer Akt \u2013 er ist Ausdruck einer inneren Haltung. Bevor wir diesen Weg genauer betrachten, lohnt sich ein Blick auf die verschiedenen Formen des Bogenschie\u00dfens und ihre jeweilige Ausrichtung.
Auch heute noch gibt es Bogenschützen, die eher mit recht einfachen Mitteln Bögen herstellen wollen und die sich wohl damit fühlen, rein intuitiv ohne weitere Hilfsmittel und ohne technische Raffinessen zu schießen. Bei einigen dieser traditionellen Schützen geht es eher um das Treffen an sich, bei anderen um das geschickte Bauen von Pfeil und Bogen nach historischem Vorbild und einige Menschen nutzen das intuitive Bogenschießen auch zur Selbsterfahrung.
Gerade im Bereich der Körper- und Selbsterfahrung ist ein einfacher Holzbogen mit einfachen Holzpfeilen ein tolles Hilfsmittel. Ein traditioneller Bogen hat keine „Messinstrumente”, an denen der Schütze in irgendeiner Form ablesen könnte, ob er denn irgendetwas „richtig” macht, „richtig” steht, „richtig” zielt und ob er denn nun auch mit dem, was er gerade tut treffen wird, was er möchte. Treffsicheres Schießen entspringt allein der ganzheitlichen Körperwahrnehmung. Eine Hand am Bogen, eine Hand an der Sehne und der Pfeil irgendwo dazwischen über den Handrücken der Bogenhand. Atmen, Stehen, aus der eigenen Mitte bewegen, immer wieder spüren sind die einzigen Hilfsmittel, die dem Bogenschützen zur Verfügung stehen.
Stimmungen, Hektik aus dem Alltag, all das beeinflusst uns oft mehr, als wir das im unruhigen Alltag wahrnehmen. Ist z.B. unser Geist beschäftigt, an den Einkauf am Abend zu denken, leidet ganz automatisch die Eigenwahrnehmung und damit unweigerlich auch unser Ergebnis auf der Scheibe. In der Stille des gemeinsamen Schießens treten solche Effekte deutlicher hervor und können in diesem Rahmen intensiv von jedem Einzelnen erfahren werden. Wenn der Transfer in den Alltag gelingt, ist eine Integration in das normale Leben möglich.
Je intensiver die Auseinandersetzung mit Pfeil und Bogen über die Jahre wird, desto stärker wird das Erleben, was wir in unserem ganzen Sein mit allen Sinnen weit über das Gewohnte hinaus eigentlich erfassen könnten, wie sonderbar es eigentlich ist, mit einem Pfeil auf eine weite Distanz etwas zu treffen, ohne dabei ein äußeres Maß zu haben, dass uns über Richtig und Falsch berät und wie unglaublich es eigentlich ist, mehrere Pfeile an fast dem gleichen Ort zu platzieren, wenn beim Üben mit einem Lehrer immer deutlicher wird, wie viele Details das Schussbild eigentlich beeinflussen und wie viele Dinge exakt zusammen kommen müssen, damit es gelingt.
Je ganzheitlicher wir erfahren und erleben, was wir tun, desto mehr Mühelosigkeit setzt auch beim Bogenschießen ein und Dinge, die einmal schwer waren, werden leichter – auch das Lächeln über vermeintliche Fehlschüsse, die eben immer wieder unsere Erfahrung bereichern und ohne die wir nicht lernen und wachsen können.
Durch den besonderen Rahmen des Zen-Sesshins und die ruhige, nat\u00fcrliche Umgebung des Hasenbachtals entsteht ein Raum, in dem diese Erfahrungen besonders tief greifen k\u00f6nnen. Jeder Schuss wird zu einer Einladung, ganz gegenw\u00e4rtig zu sein \u2013 und jeder vermeintliche Fehlschuss zu einem Lehrer, der uns daran erinnert, dass der Bogenweg kein Weg der Perfektion ist, sondern ein Weg des Werdens.
Sein
»Ist der Bogen gebrochen, dann schieß! Schieß mit deinem ganzen Sein!«
— Unbekannt
Ausführliche Informationen zum Weg des Bogens und Hinweise auf weitere Übungsstätten findet man auf der Webseite Zenbogenschiessen oder auch in einem Artikel von Ursache & Wirkung Pfeil der Weisheit und in KyuSei Österle’s Buch Zen im Weg des Bogens.
Videos
Zen Bogenschiessen … mit verbundenen Augen
Zen Bogenschießen im Benediktushof mit HoKai Österle
Entscheidung
»Ein Mann, der das Bogenschießen lernte, stellte sich einmal mit zwei Pfeilen vor der Zielscheibe auf. Darauf wies ihn sein Lehrer zurecht: ›Aufänger dürfen nie über zwei Pfeile auf einmal verfügen, sie verlassen sich sonst auf den zweiten und gehen sorglos mit dem ersten um. Sie sollten lieber davon überzeugt sein, dass die ganze Entscheidung von dem einem Pfeil abhängt, den sie gerade aufgelegt haben.‹«
— Yoshida Kenkō
Einige Begriffe aus der Praxis des Bogenschießens sind im Glossar näher erläutert.
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